Hogauer im Klassenzimmer unter Segeln 2017/2018


Klingt nach den Fantasien eines Teenagers, der die Nase voll hat von all dem Alltag, der Ordnung und den immer gleichen Tagesabläufen. Klingt nach Flausen im Kopf junger Abenteurer.

Doch für mich wurde das Realität.

Die Reiseroute

Seit ich 2016 erstmals vom Projekt Klassenzimmer unter Segeln der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) gehört habe, war ich gefesselt von dem Gedanken, sechs Monate mit anderen Jugendlichen ein Abenteuer um die Welt zu erleben. Für mich klang das alles sehr irreal, unmöglich einen Platz bei dem begehrten Auslandsaufenthalt zu bekommen. „Wieso sollten sie gerade mich nehmen?“ – Trotz aller Zweifel reichte ich im Frühjahr 2017 meine Bewerbung ein. Gespanntes Warten prägte die Wochen danach. Bis eines Tages ein dicker Umschlag der FAU im Briefkasten steckte - die Anmeldungsformulare für den Probetörn auf der Schlei im Norden Deutschlands. Vor den Pfingstferien trafen sich also 50 der ursprünglichen 200 Bewerber, um eine Woche ihre Teamfähigkeiten und Gruppenkompetenzen unter Beweis zu stellen. Dann erneut: gespanntes Warten – bis endlich nach mehreren Wochen die finale Zusage zur Reise eintraf. Anfang Oktober begegneten wir uns das erste Mal in der Gruppe, die für ein halbes Jahr unzertrennlich werden sollte.

Die Reise begann in Kiel. Nach schmerzlichem Abschied von den Familien legte die Thor Heyerdahl unter voller Besegelung ab. Für mich begann das Abenteuer meines Lebens. Nach kurzer Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal bekam ich die ersten lebhaften Eindrücke: Seekrankheit. Die erste Etappe führte durch den Ärmelkanal nach Falmouth. Danach verschlug uns ungeplant guter Wind in der Biscaya nach Madeira. Man hatte sich mittlerweile gut an Bord eingelebt. Der Segelalltag und die Einteilung in Wachen kosteten zwar viel Schlaf, doch die Laune stieg mit jedem Breitengrad, den wir weiter gegen Süden kamen.

Auf Teneriffa stand sowohl die Besteigung des Teide als auch ein Besuch bei der Witwe des Namensgebers des Schiffes an. Dann sollte es so richtig los gehen – die Atlantiküberquerung stand an. Doch der Wind ließ uns im Stich, sodass wir noch einen ungeplanten Halt auf den Cap Verden einlegten. Doch nun war es wirklich so weit: auf den Spuren der großen Entdecker Richtung Amerika in einem 50 Meter großen Segelschiff, dem Meer und seiner Gewalt anvertraut. Auch der reisebezogene Schulunterrricht, der uns viel mehr als nur Schulwissen vermittelte, begann. Gegen Ende der Atlantiküberquerung gab es die erste Schiffsübergabe. Das heißt, alle Jugendlichen mussten ihr bislang erlerntes Wissen über Segelkunde, Navigation, die Maschine oder auch die Instandhaltung des Riggs unter Beweis stellen und das Schiff alleine übernehmen.

Erfolgreich kamen wir nach drei Wochen ohne festen Boden unter den Füßen in der Karibik an. Alles war wie im Traum. Während Schüler in Deutschland im Winter froren, waren wir über den Atlantik gesegelt und schnorchelten nun in der unendlich türkisen Karibik. Nach entdeckungsreichen Aufenthalten auf Union Island und Grenada ging es dann um Neujahr Richtung Panama.

Dort waren wir eine Woche bei Uhreinwohnern auf einer Inselkette und setzten unser Abenteuer anschließend im Urwald fort. Nach vielen Eindrücken in der Natur gab es Abwechslung in der Hauptstadt Panama City. Abwechslung gab es danach auch in Sachen Politik: In Kuba entdeckten wir ein komplett anderes politisches System sowie eine Welt, die wir einem anderen Jahrhundert zugeordnet hätten. Danach ging es für uns aber auch langsam schon wieder Richtung Heimat.

Es wurde kälter, die See rauer. Die Bermudas erreichten wir, dick in alle greifbare Kleidung eingewickelt, zum Ende der zweiten Schiffsübergabe. Auch der Schulunterricht an Bord wechselte zu einem Vorbereitungskurs, um den Einstieg in der Schule wieder gut zu absolvieren. Auf dem letzten großen Landaufenthalt, den Azoren, erlebten wir noch einmal ein Highlight der Reise: Wale.

Dann ging es nun wirklich zurück Richtung europäisches Festland, auf demselben Weg, auf dem wir zuvor schon nach England gekommen waren. Dichter Nebel während der letzten Schiffsübergabe im Ärmelkanal drückte die Stimmung an Bord. Es waren nur noch wenige Seemeilen bis wir uns von einander trennen mussten. Wir waren das halbe Jahr zu mehr als nur guten Freunden zusammengewachsen. Es war fast eine Art Familie. Umso schwerer fiel der Abschied Ende April in Kiel. War noch vor einem halben Jahr die Vorstellung irreal, mit einem Segelschiff die Welt zu entdecken, war es nun die Vorstellung, in den Alltag zurück zu kommen.

Letztendlich bleiben mir Freunde fürs Leben. Eindrücke fürs Leben. Erfahrungen fürs Leben. Und eine Reise, die ich nie vergessen werde: Klassenzimmer unter Segeln 2017/2018

Es fällt mir unheimlich schwer, ein halbes Jahr auf wenige Zeilen Text zu konzentrieren. Gerne erzähle ich allen, besonders denen, die kommendes Schuljahr (2019/2020) die 10. Klasse besuchen und selbst die Chance auf die Reise haben, etwas mehr.

Leon Heiß, 10/2018

Copyright 2011 Hogauer im Klassenzimmer unter Segeln 2017/2018. Gymnasium mit Internat Hohenschwangau
Joomla Templates by Wordpress themes free