Besuch in der Staatsoper


Eine Exkursion zu einem Nena-Konzert mit der Schule? Wie bitte? Woher sollen sonst die 99 Luftballons auf dem Gruppenbild stammen? Jedoch müssen wir euch leider enttäuschen, denn dieser Ausflug hat nichts mit der deutschen Pop-Sängerin zu tun.

Wie bereits im Jahr zuvor wurden auch heuer wieder ausgewählte Schüler für ihre Leistungen des letzten Schuljahres auf besondere Weise belohnt. Aus diesem Grund trafen sich am Sonntagmittag insgesamt 30 motivierte Mädchen und Jungen der Klassen 6 bis 12 im Dresscode an der Schule, um gemeinsam nach München zu fahren. Das Ziel: Bayerisches Staatstheater. Denn wir waren eingeladen zu einem Opernbesuch des berühmten Komponisten Gaetano Donizetti. Begleitet von Frau Weirather und Herrn Amberger begaben wir uns pünktlich um 13:30 Uhr auf den Weg. Bevor wir unsere Endstation erreichten, erhielten wir eine kurze Einführung in das Stück „l’elisir d’amore“, wobei wir nicht nur mit dem Inhalt des „Liebestrankes“ vertraut gemacht wurden, sondern es uns zugleich wissenswert erschien, inwiefern eine landwirtschaftliche Maschine eine Rolle spielen wird. Die Inszenierung soll eine Moderne sein. Wir waren sehr gespannt.

Als wir am Staatstheater ankamen und alle Schuhe der Abendgarderobe ihren Fuß fanden, hatten wir noch ein wenig Zeit, um uns in den verschiedenen Räumlichkeiten des Gebäudes umzusehen, die wir begeistert und zahlreich ablichteten. Manche nutzten diese, um ihr Taschengeld in preiswertes Mineralwasser zu investieren. Von hilflos verirrten Schülern gibt es dieses Mal nichts zu berichten, dafür aber von solchen, die lieber die Toilette zwei Stockwerke weiter unten aufsuchen, anstatt die Türe nebenan zu nehmen – aber wir lernen dazu.

Nun war es soweit: Nachdem jeder von uns im Opernsaal Platz genommen hatte, trat hinter dem Vorhang ein Mann hervor. Er erklärte uns, dass seine unübliche Begrüßung einen besonderen Anlass habe: das 100-jährige Jubiläum der Bayerischen Staatsoper, das mit der brandneuen Möglichkeit, die Oper via Virtual Reality zu erleben, gebührend gefeiert werden sollte. Die Aufnahmen dafür sollten vor und während der Vorstellung stattfinden. Um einen atemberaubenden Applaus aus der Sicht der Hauptdarsteller erleben zu können, wurde das Publikum bereits vor dem offiziellen Veranstaltungsbeginn dazu aufgerufen, alles zu geben.

Nach einer kurzen Unterbrechung für den Umbau des Bühnenbildes fing die eigentliche Vorstellung an. Die Oper „l’elisir d’amore“ erzählt von der Geschichte des jungen Nemorino, der unsterblich in Adina verliebt ist. Sie erscheint ihm gebildet, klug und vor allem unendlich schön – ganz im Gegensatz zu ihm selbst. Seine Gefühle bleiben jedoch unbeantwortet, da sie sich zu dem Soldaten Belcore hingezogen fühlt, der ihr einen Heiratsantrag unterbreitet. Nun muss Nemorino handeln. Für ihn erscheint auf besagter landwirtschaftlicher Maschine ein Hoffnungsschimmer in Person Dulcamaras, der ihm verspricht, mithilfe eines Zaubertrankes das Ziel seiner Leidenschaft zu erringen. Das Elixier, in Wahrheit reiner Bordeaux, lässt sein Selbstbewusstsein steigen, weshalb er sogar die drohende Hochzeit Adinas nicht mehr fürchtet. Sie reagiert mit Trotz auf Nemorinos neues Ich und beschließt, noch am selben Tag zu heiraten. Sein einziger Ausweg scheint eine zweite Dosis des Tranks zu sein, den er aber unter 20 Scudi nicht bekommt. Belcore ist bereit, die geforderte Summe zur Verfügung zu stellen, unter der Voraussetzung, dass er dem Militär beitritt, worauf Nemorino sofort eingeht. Gleichzeitig verbreitet sich das Gerücht, ihn habe sein gerade verstorbener Onkel beerbt und sei nun reich, also eine ausgezeichnete Partie. Währenddessen wundert sich Adina, ihn von allen umschwärmt zu sehen, und erfährt von Dulcamara vom Liebestrank. Aus Mitleid kauft sie ihn aus der Militärpflicht frei und bekennt sich endlich zu ihren Gefühlen zu ihm. Der überglückliche Nemorino führt seinen unerwarteten Erfolg auf den Trank Dulcamaras zurück – und auch dieser ist ganz verblüfft von den Wundern, die sein Elixier bewirkt hat.

Während des Stücks konnte der Text über deutsche und englische Übertitel verfolgt werden, weil der Text in der italienischen Sprach belassen wurde. Die gelungene abstraktere Interpretation der Figuren und Kostüme wirkte zwar eher grotesk, aber war vollkommen verständlich. Insgesamt gilt es die wahrhaftig eindrucksvolle Leistung sowohl der Solo-Sänger als auch des Chores sowie des Orchesters deutlich hervorzuheben – obwohl sich der Durchschnittsjugendliche wohl weniger an gesangliche Meisterleistungen erinnern wird, sondern an Dulcamara, der sein Hemd aufreißt, an Gianetta, die einen interessanten Tanz zum Besten gibt und natürlich an Adina, die ihre Augen als Trank der Tränke preist – na dann Prost! Trotzdem – oder gerade deswegen – verabschiedeten wir uns mit frenetischem Applaus.

Beim Weg nach draußen erhielt jeder Luftballons, die zuvor immer wieder als Requisite dienten. Dadurch entstand nicht nur ein unvergessliches Gruppenbild, sie trugen gleichermaßen bei der anschließenden Busfahrt in die Heimat durch das Inhalieren von Helium zur Unterhaltung bei. Entschuldigen möchten wir uns dabei bei unserem Busfahrer, der die unerträglichen Ergebnisse sehr tapfer ertrug.

Wieder einmal möchten wir uns ganz herzlich bei Herrn Amberger und Frau Weirather für das Aufopfern eines Sonntagabends und für die reibungslose Organisation bedanken. Sie haben es wieder super hingekriegt! Für das kommende Jahr stehen mehrere Optionen zur Auswahl, doch bereits jetzt steht eindeutig fest, dass sich jede einzelne von ihnen bestimmt lohnen wird. DANKE!

Michaela Benz, Patrick Angerer, 3/2018

Bilder von der Opernfahrt:

  • oper_2018 (01)
  • oper_2018 (02)
  • oper_2018 (03)
Copyright 2011 Besuch in der Staatsoper. Gymnasium mit Internat Hohenschwangau
Joomla Templates by Wordpress themes free