Moderne Schnitzeljagd

Ich muss wohl relativ verständnislos aus der Wäsche geschaut haben, als mich vor jüngerer Zeit ein näherer Bekannter aus dem Internat darauf ansprach, ob mir der Sinn danach stünde, am selbigen Abend noch mit zum Geocaching zu kommen, denn dieser Begriff war mir zuvor noch nie zu Ohren gekommen.

 

Ein paar knappe Erläuterungen später war ich schon ein kleines Stück schlauer, eine Art Schatzsuche sollte das also sein, eine moderne Version der Schnitzeljagd, bei der man mit GPS-Empfängern von anderen versteckte Caches ausfindig machen oder selber welche verstecken musste. Hörte sich schon recht interessant an.

Ich sagte demnach zu, und kurze Zeit darauf war die kleine Truppe der Freiwilligen, von denen ich ein Drittel ausmachte, bereit zum Aufbruch. Angeführt wurde unsere kleine Gemeinschaft von Herrn Simon, einem unserer Erzieher und, wie ich erfuhr, einem langjährigen, erfahrenen Geocacher.

 

Man machte sich mit dem Empfänger, in die zuvor die Koordinaten des Caches eingespeichert worden waren, auf den Weg und näherte sich dem Ziel schrittchenweise.

Die Dunkelheit war bereits eingebrochen, und die Atmosphäre, die unsere kleine Gruppe umgab, als unsere Suche uns schließlich einen bewaldeten Berghang hinaufführte, konnte man durchaus als abenteuerlich bezeichnen - hätten wir unsere Taschenlampen nicht bei uns gehabt, wäre das Ganze sicher nicht ohne ein paar aufgestoßene Knie und verrenkte Knöchel vonstatten gegangen, so aber hatten wir bereits nach einer guten Stunde das Objekt der Begierde erreicht – es befand sich in einer großen Truhe, die wiederum in einem unauffälligen Geröllhaufen versteckt worden war. Wie es die Tradition verlangte, trugen wir unsere Namen in das Logbuch ein, welches zusammen mit einer kunterbunten Ansammlung kleiner Schätze in der Truhe lag. Letztere unterzogen wir einer eingehenden Betrachtung und suchten uns aus, was uns gefiel. Im Austausch legten wir natürlich etwas, was wir selbst mitgebracht hatten, in die Kiste.

 An diesem Abend spürten wir nicht nur einen weiteren Cache auf, sondern hielten auch nach einem Ort Ausschau, der sich dazu eignen würde, selbst einen zu platzieren.

 Ein paar Tage später begab sich unsere kleine Gruppe sogar ohne Führer in die unberührte Natur, und machte ihren dritten und vierten Cache ausfindig, einen unter einer alten Brücke, der andere war an einen Baumstamm genagelt worden.

Wir waren allerdings nicht die einzigen, die auf den Geschmack gekommen waren, denn bald darauf zogen noch weitere Junior-Schatzsucher aus dem Internat aus, versteckten Caches auf die Spur zu kommen.

Übrigens bestehen die Caches nicht nur aus Krimskrams und Plunder – manchmal stößt man auch auf einen der selteneren Geocoins, das sind speziell angefertigte Gegenstände, in die eine bestimmte Seriennummer, ein Tracking Code, eingraviert ist. Die Bestimmung dieser Pretiosen, die jedoch nur einen ideellen Wert besitzen, ist es, von einem Cache zum anderen gebracht zu werden, und so enorme Strecken zurückzulegen.

Dies kann besonders dann zu einer schwierigen Aufgabe werden, wenn es sich dabei nicht um ein kleines, handliches Medaillon, sondern um einen Schiffsanker mit 25 Kilo Gewicht handelt – das gibt es wirklich.

Auch Herr Simon, unser erfahrener Geocacher, hat einen dieser Coins bestellt – das Kleinod ziert unser Schulwappen und soll auf seiner Reise um die Welt möglichst viele Schulen besuchen.

Valentin Poggenpohl, Internatsschüler

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