Mutige Menschen - Widerstand im 3. Reich

Ein fächerübergreifendes Projekt der Klasse 9D

Kurz nach den Weihnachtsferien haben wir mit unserem fächerübergreifenden Projekt zum Thema „Mutige Menschen“ begonnen. Zusammen mit unseren Lehrerinnen Frau Karl (Deutsch) und Frau Biedermann (Geschichte) haben wir zunächst darüber gesprochen, was wir mit Mut und Widerstand verbinden. Mit Mut assoziierten wir zunächst Begriffe wie Zivilcourage, Angstüberwindung etc. und mit Widerstand Widerstandsbewegung, Handeln gegen die Mehrheit etc.

Die Gedanken der Klasse spiegelten sich in Elfchen (kleinen Gedichte) wider, die unsere Klasse zu den beiden Begriffen anfertigte, z.B.:

Widerstand

Ist kämpfen

Gegen den Strom

Mut ist die Basis

Gefährlich

Anschließend begann die Arbeit mit der Lektüre „Mutige Menschen. Widerstand im Dritten Reich“ von Christian Nürnberger, die auch als Grundlage für das Projekt diente.

Das Buch handelt von dem Widerstand im Dritten Reich und stellt zwölf Widerstandskämpfer vor. Von diesen haben wir sechs Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Bereichen ausgewählt und uns in Gruppen zu je vier Schülern intensiver mit ihnen beschäftigt. Wir hatten die Aufgabe, diese Widerstandskämpfer in einer kreativ gestalteten Präsentation und in Form eines Plakates der Klasse vorzustellen.

 

Eine Person war Sophie Scholl aus dem Bereich der Jugend, die als Mitglied der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ Flugblätter mit Inhalten gegen Hitler und den Nationalsozialismus verteilt hat. Bei dem Austeilen des 6. Flugblattes wurden sie und ihr Bruder jedoch verhaftet und schließlich zum Tode verurteilt. Die Schülergruppe hat den Gerichtsprozess in Form eines szenischen Spiels wiedergegeben sowie einen Brief Sophies an ihre Eltern vorgetragen.

 

 

Georg Elser war ebenfalls ein Widerständler. Allerdings gehörte er keiner Gruppe an, sondern kämpfte als Einzelner gegen das NS-Regime. Als einfacher Schreiner bewies er, dass man auch als nicht Nicht-Akademiker hätte erkennen können, dass Hitler eine Gefahr darstellte. Schon 1939 unternahm er ein Bombenattentat auf Hitler, was jedoch scheiterte. Die für Georg Elser zuständige Gruppe trug ebenfalls ein eindrucksvolles Rollenspiel sowie einen Abschiedsbrief vor.

 

Eine weitere Gruppe erarbeitete eine lehrreiche Gesprächsrunde zu Dietrich Bonhoeffer, einem evangelischen Pfarrer, der unter Einsatz seines Lebens für die Christen einstand.

 

 

Zu Graf Claus von Stauffenberg, dem Stabschef des Allgemeinen Heeresamts, der durch das missglückte Stauffenberg-Attentat in die Geschichte einging, wurden zwei Rollenspiele präsentiert.

 

 

Willy Brandt ist bekannt als ehemaliger Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, doch nur wenige wussten, dass er auch am Widerstand beteiligt war. Da er aufgrund seiner politischen Ansichten gegen die NSDAP war, musste er nach Norwegen fliehen und unterstützte den dortigen Widerstand. Er wurde uns von einer Gruppe vorgestellt, die ein Interview über und mit ihm vorspielte.

 

 

Zuletzt wurde Janusz Korczak vorgestellt, der als Leiter eines jüdischen Waisenhauses in Polen versuchte, seinen „Kindern“ bis zu ihrem Tode im Konzentrationslager Treblinka ein gutes Leben zu ermöglichen und ihnen in den Tod folgte, obwohl er die Möglichkeit gehabt hätte, diesem zu entgehen. Von dieser Schülergruppe wurden ein szenisches Spiel vorgetragen, zudem wurde ein berührender Tagebucheintrag verfaßt.

Nachdem wir diesen ersten Teil mit den Gruppenpräsentationen abgeschlossen hatten, wurden wir dazu aufgerufen, uns Gedanken zu machen, inwiefern man heutzutage Mut benötigt. Die gesamte Klasse war sich einig, dass Mut im Alltag, im Beruf und auch in der Liebe erforderlich und wichtig ist. Im Folgenden haben wir uns auf die Suche nach „Mutigen Menschen heute vor Ort“ gemacht und sind dabei auf den Polizisten Timo Raschke, auf Brigitte Reiniger-Faden ,die eine Hilfsorganisation für Nepal gegründet hat, auf Joachim Neumann vom Bayrischen Roten Kreuz, auf den Bergwachtler Hans Hipp und auf Felix Brunner, der nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt, seinen Lebensmut dennoch aber nicht verloren hat, aufmerksam geworden. Wir interviewten sie und waren tief berührt von ihren Erlebnissen, denn all diese Menschen verbindet, trotz der unterschiedlichen Bereiche, aus denen sie kommen, eine Gemeinsamkeit:

Sie alle beweisen in ihrem Leben auf beeindruckende Weise Mut. Nach den Interviews haben wir diese umgestaltet, so entstanden ein Zeitungsartikel, ein Steckbrief, ein Unfall-, Reise- und Arbeitsbericht. Eine Gruppe befragte Lehrer, Mitschüler und Passanten in der Füssener Innenstadt zum Thema Mut und filmte die Befragten. Bei dieser Gruppenarbeit war sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Einstellungen und Meinungen der Befragten zum Thema „Mut“ sind.

Am 20. März 2012 waren alle SchülerInnen der neunten Klassen zu einer Lesung des Autors Christian Nürnberger eingeladen.

4 Bilder von der Lesung:

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Er erzählte uns einiges über sein Werk „Mutige Menschen. Widerstand im Dritten Reich“ und las daraus einen Auszug vor. Für ihn ist es sehr wichtig, dass man sich schon als Jugendlicher mit diesem Thema auseinandersetzt. Er hat deshalb versucht, ein informatives Sachbuch für Jugendliche zu schreiben, welches jedoch nicht langweilig ist. Dies ist ihm so gut gelungen, dass er dafür den Deutschen Jugendliteraturpreis bekommen hat. Von den zwölf Widerstandskämpfern, die in dem Buch aufgeführt sind, ist Herr Nürnberger am meisten von Georg Elser beeindruckt, da dieser schon Jahre vor den anderen handelte, keiner Gruppe angehörte und keine hohe Stelle im Militär etc. innehatte. Deshalb las der Autor das Kapitel über Elser vor. Aber was uns Schüler am meisten imponierte, war, dass Herr Nürnberger in seinen Ausführungen auch Bezug auf die Gegenwart genommen hat und nicht nur über die damalige Zeit sprach. Er hat uns auf den Weg mitgegeben, dass wir mutig sein und auch entsprechend agieren sollen, damit die Demokratie in Deutschland erhalten bleibt. Am Ende der Lesung entließ er die Schüler mit einem sehr eindrucksvollen Spruch:

Achte auf deine Gedanken, denn sie werden zu deinen Worten.

Achte auf deine Worte, denn sie werden zu deinen Handlungen.

Achte auf deine Handlungen, denn sie werden zu deinen Gewohnheiten.

Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.

Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.

 

Am Abend desselben Tages fand ein Themenabend über das gesamte Projekt statt.

6 Bilder vom Elternabend:

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Dazu waren die Eltern der Klasse 9d sowie die Lehrer Hohenschwangaus in die Aula des Gymnasiums eingeladen. Neben den Präsentationen über Janusz Korczak und Sophie Scholl wurden zudem auch die einzelnen Projektteile vorgestellt. Außerdem gab es eine Publikumsbefragung zum Begriff „Mut“ und anschließend einen Videobeitrag mit einer Befragung in der Schule und der Fußgängerzone Füssens zum Thema „Mut“, den eine Schülergruppe erstellt hatte. In der Pause hatten die Gäste die Gelegenheit, die von uns zuvor zubereiteten Häppchen zu genießen und nebenbei diverse Plakate und Bilder unserer Projektarbeit zu begutachten. Im zweiten Teil des Abends wurden kurze Interviews mit den Sondergästen Timo Raschke und Brigitte Reiniger-Faden durchgeführt, welche alle Anwesenden mit Erzählungen über ihre mutige Arbeit in ihren Bann zogen. Am Ende des Abends sang die Klasse 9d das Lied „Du schreibst Geschichte“ von Madsen, welches auch auf den Besinnungstagen gesungen wurde, während im Hintergrund eine Powerpointpräsentation mit Bildern der vergangenen Wochen lief. In dem Lied geht es darum, mutig zu sein, da jeder jeden Tag Geschichte schreibt und somit durch sein Handeln in Erinnerung bleibt. Der Inhalt dieses Liedes trifft somit den Kern des Projekts. Nach der Verabschiedung erhielt jeder Gast ein Themenheft und ein Teelicht mit der Aufschrift „Habe Mut, denn du schreibst Geschichte“. Das Themenheft beinhaltet nochmals alle Ergebnisse der Projektarbeit und dient auch als Erinnerung an den Themenabend.

Als Ausblick des Projekts haben wir uns noch auf ein spezielles Thema „Mut gegen Mobbing“ konzentriert, da dies zu einem immer größeren Problem an Schulen wird und man als „Opfer“ viel Mut benötigt, um die Übergriffe zu überstehen, sich jemandem anzuvertrauen und als Mitschüler auch mutig sein muss, um dem Opfer zu helfen. Außerdem ist dies ein Beispiel dafür, wann jeder von uns Mut zeigen kann und muss. Zunächst haben wir uns mit den Kennzeichen beschäftigt. Nachdem wir die Grundlagen besprochen hatten, wandten wir uns dem Thema Cyber-Mobbing zu. Als Einstieg sahen wir uns den Film „Home Video“ an, welcher von einem Jungen handelt, der aufgrund eines Videos, das ungewollt ins Netz gelangt ist, gemobbt und beleidigt wird. Nachdem er aufgrund der schnellen Verbreitung im Netz auch an seiner neuen Schule erkannt wird, sieht er keinen anderen Ausweg, als sich das Leben zu nehmen. Wir waren sehr erschüttert zu sehen, welch tragische Konsequenzen (Cyber-)Mobbing haben kann und waren froh, mit dem eingeladenen Polizisten Herrn Guggenmos aus Marktoberdorf nochmals über dieses Thema reden zu dürfen.

Wir besprachen die Gründe, warum ein Schüler zum Opfer werden kann (z.B. wg. seines Aussehens, seiner Intelligenz, seines sozialen Hintergrundes usw.) und auch welche Folgen von Mobbing möglich sind. Neben Selbstverletzung, Sucht und sogar Selbstmord ist die extremste Form der Reaktion des Opfers der Amoklauf.

Ingesamt kann man sagen, dass wir durch das Projekt viel gelernt haben. Zum einen beschäftigten wir uns aufgrund der Lektüre natürlich vertieft mit dem Widerstand im Dritten Reich und den einzelnen Widerstandskämpfern und zum anderen war ein Projekt, an welchem über einen solch langen Zeitraum gearbeitet wurde, etwas völlig Neues für uns und wir mussten lernen, Ausdauer und Teamfähigkeit zu zeigen.

Manchmal waren sich die einzelnen Gruppenmitglieder nicht einig, doch letztlich haben alle erkannt, dass man bei einem Projekt wie diesem nur als Team Erfolg haben kann. Außerdem lernten wir,

mehr Verantwortung zu übernehmen, denn ohne Zuverlässigkeit konnte das Projekt nicht durchgeführt werden. Doch das Wichtigste ist, dass wir Schüler nach intensivem Beschäftigen mit dem Thema „Mut“ eine neue Sicht auf viele Dinge bekommten haben und, geprägt durch diese Erkenntnisse, hoffen wir, dass wir das Gelernte auch in unserem Leben umsetzen werden. Es war eine sehr schöne Zeit, in der wir viele Erfahrungen sammelten.

Marcella Hollerbach, 9d

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